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Interview mit Ulf Adebahr, Vorstand der PIRONET NDH AG


Was verstehen Sie unter Enterprise Content Management (ECM)?
Für den Begriff Enterprise Content Management gibt es die unterschiedlichsten Definitionen. Für den Anwender entsteht dadurch ein sehr diffuses Bild. Was aus meiner Sicht zunächst im Mittelpunkt steht, ist die Frage, wie man Enterprise Content und den damit verbundenen Unternehmenswert definiert.

Enterprise Content umfasst im Wesentlichen drei Bereiche. Zum einen sind dies alle unstrukturierten Informationen in einem Unternehmen, wie sie in E-Mails, Office-Dokumenten und in Intranets vorkommen. Zum anderen sind es aber auch alle strukturierten Informationen, das heißt alle Informationen, die Geschäftsobjekte beschreiben. Das können in der Konsumgüterindustrie Produktinformationen sein, in der Versicherungsbranche Vertragsinformationen oder in der Fertigung die Informationen über Teilprodukte.

Dazu kommt als dritte Komponente das notwendige Wissen über die im Unternehmen ablaufenden Prozesse hinzu. Letzteres spielt heute eine große Rolle, fasst man aktuelle Markttrends wie service-orientierte Architekturen (SOA) ins Auge, sieht man wie die Themen Prozessmanagement und Prozessdokumentation an Bedeutung gewinnen.

Betrachtet man nun diese drei Komponenten, dann ist ein ECM-System mit unterschiedlichen Einzelausprägungen nicht relevant. Wichtig wäre vielmehr, wie man die Werthaltigkeit von Information, egal ob strukturiert oder unstrukturiert, entlang eines Geschäftsprozesses nutzen kann.

Sie sprechen von service-orientierten Architekturen - Wie wird SOA denn in Unternehmen heutzutage schon genutzt?
Aus meiner Sicht ist zunächst einmal festzuhalten, dass Unternehmen zukünftig sicherlich nicht mehr an serviceorientierten Architekturen vorbeikommen. Allerdings wird bis zur flächendeckenden Verbreitung noch einige Zeit verstreichen. Allein mit den Prinzipien service-orientierter Architekturen kommen sie in heutigen Projekten noch nicht wirklich weit, da diese Technologien gerade erst in der Praxis ankommen. Vor Ort bei den Kunden trifft man zumeist auf über Jahrzehnte gewachsene Infrastrukturen, die das operative Geschäft gewährleisten.


Wie werden dann Unternehmen den Schritt zu SOA schaffen?
Sie werden zukünftig auf Lösungen und Produkte setzen müssen, die sich einfach in andere Welten integrieren lassen bzw. Welten miteinander verbinden. Ob im ERP- oder im Content-Management-Bereich: Lösungen wuchsen zu wahren Softwaremonolithen, die in ihrem Bereich fast alle Wünsche erfüllen, ERP für strukturierte und Content Management für unstrukturierte Informationen. Als Teamplayer taten sie sich hingegen schwer. Diese Applikationen mit monolithischen Charakter, oder besser stand-alone Produkte haben ausgedient. Das Content Management System wird nicht mehr nur eine allein stehende und eigens, was auch Hardware und Administration betraf, zu pflegende Technologie-Komponente sein. Unternehmen werden sich überlegen müssen, wie sie z.B. ERP-System und CMS integrieren und dem Anwender einen klaren Nutzen schaffen.

Beide Systeme werden dann zum strategischen Unternehmenswert, da sie gemeinsam Informationen für durchgängige Prozesse liefern. Offene Standards wie J2EE und auch Infrastrukturkomponenten, mit denen man verschiedene Datenquellen zusammenführen und verbinden kann, werden hier die Schlüssel sein.


Wie rüstet sich PIRONET NDH für diese Entwicklung?

Mit der neuen Version pirobase CMS 6 haben wir einen kompletten Architekturwechsel bei unserem ECM-System vollzogen. pirobase CMS besteht nun aus einer Sammlung von Services, die der Kunde je nach Bedarf zusammensetzen kann. Hierbei hat er die Wahl, die einzelnen Bausteine beispielsweise in einer NetWeaver-Umgebung zu betreiben oder auf einem eigenen J2EE-Application-Server. Mit dem pirobase Content Bus ist eine Infrastrukturkomponente integriert, die Daten aus verschiedenen Quellen verbindet und sie als Services zum Beispiel direkt in ein Unternehmensportal bringt.


Welche Vorteile hat ein CMS in einer Portalarchitektur?
Neben einer nahtlosen Integration ist es wichtig, dass dem Anwender aus der Unmenge an vorhandenen Informationen die gerade wichtigen, kontextbezogenen Informationen bereitgestellt werden. Der so genannte Enterprise Content Service für das Portal übernimmt die Aufgabe, alle relevanten Informationen zu beschaffen und dem Nutzer zur Verfügung zu stellen, damit er diese bearbeiten, aktualisieren oder archivieren kann. Hiermit folgt man klar dem Ansatz service-orientierter Architekturen bzw. der Enterprise Service Architecture wie sie die SAP propagiert. 


Wie sieht das konkret in der Praxis aus?
Bislang konnte der Anwender über iViews auf Funktionen eines ECM- oder Web Content Management Systems (WCMS) zugreifen. Die Wege, um etwa Intranetseiten im Portal zu bearbeiten, waren auch hierbei schon kurz. So ließen sich etwa Intranetmeldungen im ECM-System verfassen und dann per Mausklick in das Portal übernehmen. Trotzdem arbeitete der Nutzer immer noch mit verschiedenen, getrennten Anwendungen. Aufwendig blieb nach wie vor, die im ECM-System erstellte Navigation für das Intranet in das Portal zu übertragen. Das geschieht mit der neuen Version unserer Software per Mausklick, da alle Services im Portal auf gemeinsame Komponenten wie Navigation, Nutzerverwaltung oder Workflows zugreifen können.


Welche Kosten fallen dabei für Unternehmen an?
Die Portalbetreiber profitieren von geringeren Lizenz-, Hardware- und Administrationskosten, da die Lösung keinen eigenen Applications-Server mehr benötigt. Die Lösung läuft beispielsweise nativ im SAP NetWeaver Portal. Erst vor wenigen Wochen wurde pirobase CMS für SAP NetWeaver zertifiziert, so dass wir es vollständig in der aktuellen Laufzeitumgebung der SAP zur Verfügung stellen können, ohne dass zusätzliche Installationen notwendig sind.


Welche weiteren Schwerpunkte sehen Sie zukünftig im Zusammenhang mit dem Thema CMS?  
Neben dem Zusammenwachsen von strukturierten und unstrukturierten Informationen und deren Einbettung in Prozesse, sehe ich eine große Bedeutung bei den Compliance-Themen. Unternehmen beschäftigen sich heute schon stark mit Themen wie Basel II oder Sarbanes Oxley. Diese rechtlichen Vorgaben fordern eine stärkere Prozessorientierung und -dokumentation seitens der Unternehmen. In unser pirobase CMS haben wir bereits Funktionen zur Einhaltung von Compliance-Bestimmungen und aufsichtsrechtlichen Vorschriften integriert.



Ulf Adebahr
Vorstand der PIRONET NDH AG






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