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SPOTLIGHT

Im Spotlight: Gläserner Internetnutzer - Das Web vergisst nichts
Das Internet spielt eine immer
wichtigere Rolle für den beruflichen Erfolg: 34 Prozent der
Personalberater nutzen das Internet bereits heute regelmäßig,
um Lebensläufe, Referenzen, Freizeitaktivitäten sowie die
fachliche wie persönliche Eignung von Bewerbern/Kandidaten zu
prüfen, so das Ergebnis einer Untersuchung des Bundesverbands
Deutscher Unternehmensberater (BDU), die im Herbst 2007
durchgeführt wurde. Ein gutes Gewissen zu haben – offenbar
reicht dies heute nicht mehr aus. Doch was können Menschen und
Unternehmen tun, um ihren Ruf im Web zu wahren und welche Hilfsmittel
stehen zur Verfügung, um die Online-Reputation zu beeinflussen?
Antworten geben Klaus Eck, Berater für Online-Kommunikation und
Betreiber des Online-Journals PR-Blogger.de und Mario Grobholz,
Gründer der Personensuch- und Reputationsmanagement-Plattform
myonid.de, bei der sich die PIRONET NDH-Tochter nexum AG als
strategischer Investor engagiert.
Wie wichtig ist das Internet für den beruflichen Erfolg?
Mario Grobholz (MG): Um es auf den Punkt zu bringen: Wer heute gar nicht im Internet vertreten ist, ob mit einer eigenen Website, einem eigenen Blog, einem Profil bei Xing oder wenigstens ein paar Veröffentlichungen – der hat ein Problem. Denn für Personalberater ist es heute selbstverständlich, sich über potentielle Bewerber neben den klassischen Informationsquellen auch über das Internet, beispielsweise Google, zu informieren. Wer dagegen viel im Internet vertreten ist, aber eben auch mit Einträgen, die Zweifel an seinen menschlichen oder fachlichen Qualifikationen aufkommen lassen – der hat ebenfalls ein Problem! So oder so – wer seine berufliche Zukunft plant, der muss sich heute mit dem Internet und dem, was über ihn dort zu finden oder nicht zu finden ist, auseinandersetzen!
Klaus Eck (KE): Es kommt immer darauf an, in welchen Bereichen jemand beruflich aktiv ist. Aber ich würde niemanden mehr für PR- oder Marketing-Aufgaben einstellen, der nicht weiß, wofür die Begriffe Web 2.0, Blogs und Xing stehen. Es wird für die Karriereplanung immer wichtiger, online in positiven Zusammenhängen gefunden zu werden. Das Web bietet sehr viele Möglichkeiten, sich fachlich zu positionieren und das Selbstmarketing zu optimieren. Dazu sind Blogs sehr gut geeignet. Wer darauf lieber verzichtet und die Online-Öffentlichkeit scheut, muss sich nicht wundern, wenn andere schneller Karriere machen. Ganz ohne Risiken für die eigene Reputation sind die Online-Aktivitäten allerdings nicht.
Wie muss man sich einen solchen Imageschaden konkret vorstellen?
MG: In den jüngsten Presseberichten wird in der Regel auf die zweifelhaften Partyfotos, die politisch inkorrekten Äußerungen in Foren und Blogs oder die öffentlichen Anfeindungen beispielsweise durch den Ex-Freund, die Ex-Freundin abgehoben. Diese Fälle, meist mit Angabe des Namens, gibt es zuhauf – und das ist auch kein Wunder: Für die meisten Jugendlichen, die ja mit Computer und Internet aufgewachsen sind, spielt sich der Alltag viel selbstverständlicher und umfassender im Netz ab als bei Älteren. Nach monatlichen Erhebungen des Branchenverbands BITKOM und des forsa-Instituts veröffentlicht fast die Hälfte aller 14- bis 29-Jährigen regelmäßig private Inhalte im Netz. 45 Prozent verfügen über ein eigenes Profil in Online-Communitys.
KE: Mögen junge Nutzer besonders technikaffin sein, ihr Instinkt für die Folgen ihres Medienkonsums ist meist noch unterentwickelt. So wie im analogen Leben auf einem Partyabend oder beim Telefonieren mit Freunden wähnen sie sich auch bei ihren Onlineaktivitäten in einem zumindest halbprivaten Schutzraum spezieller Interessensgruppen, in den sich Lehrer, Eltern und Arbeitgeber normalerweise nicht verirren. Diesem Irrtum unterlag auch Stacy Snyder. Die US-Amerikanerin verlor 2005 ihren Studienplatz und damit jede Chance auf Anstellung als Lehrerin. Ein Partyfoto von ihr, das sie selbst auf ihr mySpace-Profil geladen hatte, war Auslöser dieser Affäre. Darauf war sie als Pirat verkleidet zu sehen, wie sie einen Becher mit nicht näher bezeichnetem Inhalt an den Mund setzte. Kompromittierend indes war die von ihr selbst verfasste Bildzeile: „betrunkener Pirat“. Für die Verwaltung der Millersville University im Bundesstaat Pennsylvania reichten diese zwei Worte, um die Studentin von der Uni zu werfen.
Heißt das: Am besten gar nicht ins Internet gehen?
MG: Das ist auch kein Schutz! Sie können ja nicht verhindern, dass Dritte sich negativ im Internet über Sie äußern. Als Lehrer zum Beispiel hat man gute Chancen, von Schülern im Internet verunglimpft zu werden – und kann kaum etwas dagegen tun. Auch gegen Pannen oder fahrlässigen Umgang mit Ihren Daten sind Sie machtlos, wie der Fall des Dahlenburger Verwaltungschefs Joachim Dassinger zeigt. Ein Gerücht und ein paar Klicks in Google reichten, schon wusste der gesamte Stadtrat, dass sich der Dahlenburger Samtgemeindebürgermeister auf eine Stelle in Mannheim beworben hatte. Dort hatte man ohne sein Wissen eine Sitzungsvorlage online gestellt, in der die Namen der Bewerber – auch sein eigener - für den Posten als Beigeordneter im Dezernat II aufgelistet sind. Das macht Herrn Dassinger bis heute zu schaffen.
Welche Wirkung haben Personensuchmaschinen auf dieses Phänomen?
MG: Schon lange bevor es Personensuchmaschinen gab, wurde das Internet insbesondere auch dazu genutzt, nach Personen zu suchen. Eine Zahl: Schon heute sind mehr als 30 Prozent aller Suchanfragen bei Google & Co. personenbezogen! Durch das Aufkommen von Personensuchmaschinen wie myonid.de wird diese Neugier weiter gefüttert, da nun wesentlich detailliertere und aussagekräftigere Ergebnisse zu Personen zusammengetragen werden können. So richten Personensuchmaschinen noch mehr Aufmerksamkeit auf die persönliche Identität im Netz – auf der anderen Seite sind sie natürlich ein wichtiges Hilfsmittel, um erst einmal einen Blick auf sein „digitales Spiegelbild“ zu werfen. Die Frage ist: Was jetzt? Gefällt mir das, was ich dort sehe, bzw. wie kann ich das korrigieren? Darauf haben reine Personensuchmaschinen keine Antwort! Dienste wie zum Beispiel spock.com sind quasi die Telefonbücher bzw. Gelben Seiten des Internet, sie geben lediglich Suchergebnisse aus – ein Arbeiten mit dem eigenen Profil ist hier nicht möglich.
Was kann der Einzelne tun?
KE: Viele Menschen sind sich nicht im Klaren darüber, dass sie die Suchmaschinen selbst für die Verbesserung ihres digitalen Rufs nutzen können. Obwohl wir im Zeitalter der Radikalen Transparenz leben und Google kaum noch etwas verborgen bleibt, heißt das nicht, dass wir uns unserem Schicksal ergeben müssen. Stattdessen können Sie selbst etwas für Ihre Online-Reputation tun, indem Sie Ihre Online-Präsenz bewusst steuern. Social Media basiert auf den Gedanken der Vernetzung. Sie können beispielsweise via Twitter, Blogs, Xing, Facebook und Social Bookmarking auf Ihre eigenen Artikel, Aktivitäten und Kompetenzfelder verweisen. Nebenbei generieren die meisten dieser Dienste exzellenten Google Juice. Anders formuliert: Je stärker Online-Inhalte miteinander verlinkt sind, desto eher tauchen sie auch in den Suchmaschinen auf.
MG: Wer sich im Dschungel der Social-Media-Dienste und -Angebote nicht zurechtfindet, für den bietet der Online-Reputationsdienst myON-ID (www.myonid.de) eine auf die Bedürfnisse von Privatnutzern zugeschnittene Suchmaschinenoptimierung an. Zunächst ermittelt der Nutzer mit der Personensuchmaschine von myON-ID alle wichtigen Fundstellen zu seinem Namen in Suchmaschinen, Social Networks, Blogs und Mulimediadatenbanken. Hieraus erstellt er dann eine Art kommentierter Linkliste aller Fundstellen. So kann er natürlich auch Stellung beziehen zu falschen oder längst veralteten Inhalten. Leser seines Onlineprofils erfahren so, welche wesentlichen Quellen es im Internet zu seiner Person gibt. Zugleich vernetzt die Liste die seiner Meinung nach relevanten Inhalte miteinander. So sorgt myON-ID dafür, dass dieses Nutzerprofil weit vorne bei Google auftaucht.
Kann man unliebsame Einträge im Internet löschen?
KE: Natürlich können Sie versuchen, Kontakt mit einem Plattformbetreiber aufzunehmen und den Urheber eines unangenehmen Artikels darum bitten, diesen wieder zu löschen. Doch das kann mit erheblichem Aufwand verbunden sein und ist nicht immer erfolgreich, zumal die Online-Inhalte vielerorts gespeichert werden und abrufbar sind. Falls Sie Pech haben, nimmt ein Blogger aufgrund einer solchen Anfrage Sie erst recht wieder in den Fokus und er verbreitet noch mehr negative Inhalte im Netz. Auf Abmahnung sollten Sie deshalb gänzlich verzichten. Stattdessen empfiehlt es sich, die Aufmerksamkeit auf andere positive Dinge im Web zu lenken, indem Sie selbst in Aktion treten, gute Blogeinträge verfassen, die verlinkt werden, sowie viele Social Media Profile anlegen. Ideal sind zudem generische Adressen unter dem eigenen Namen. Dadurch sichern Sie sich die Topplätze im Google Ranking.
MG: Wenn jemand wirklich Schabernack mit einem treiben will, dann nützt es gar nichts, eine einzelne Internet-Seite entfernen zu lassen. Zunächst ist das oftmals rein rechtlich nur schwer möglich - wenn man beispielsweise selbst den Eintrag verbrochen hat. Oder wenn die Äußerung noch in den Bereich der freien Meinungsäußerung fällt. Zum Beispiel hatte eine Lehrerin den Betreiber der Plattform “spickmich.de” verklagt und wollte die Löschung ihrer Bewertung durch Schüler sowie ihrer persönlichen Daten erzwingen. Das Landgericht Köln wies die Klage ab, mit Verweis auf das Recht der freien Meinungsäußerung. Aber auch wenn eine rechtliche Handhabe besteht, kommt man gegen die anarchische Struktur des Internets kaum an - kaum 24 Stunden, nachdem die Fotos, Videos etc. vom Schirm verschwunden sind, tauchen die Bilder in der Regel wieder an anderer Stelle auf. Deshalb war unser Ansatz immer: durch gezieltes Eigenmarketing im Netz dafür zu sorgen, dass interessante und positive Geschichten zur Person in den Vordergrund geschoben und die unliebsamen Einträge auf die nachfolgenden Google-Seiten verdrängt werden.
Trotzdem ist gut nachvollziehbar, dass das Opfer in einem besonders krassen Fall zumindest versuchen möchte, den Link zu löschen. Deshalb bietet myonid.de diesen Dienst – in Kooperation mit Reputation Defender – auch seit einem guten Monat mit an.
Für wen ist das überhaupt wichtig? Gehören auch Schreiner oder Bäckermeister zur Zielgruppe?
KE: Selbst wenn Sie sich als Bäcker, Maschinenbauer oder Handwerker nicht für das Internet interessieren, beeinflusst es Ihr Leben. Das musste vor einigen Monaten ein Frankfurter Friseur erleben, der selbst nicht im Netz aktiv ist. Eines Tages wunderte er sich, warum sein Friseurladen in Frankfurt-Bornheim so erfolgreich ist. Innerhalb von wenigen Wochen konnte er über 120 Neukunden gewinnen. Bis ihn schließlich ein Kunde darüber aufklärte, dass er von seinem Friseurladen aus dem Web erfahren habe. Auf dem Portal Qype ist sein Angebot auf Platz eins in der Rubrik Friseure gelandet. Zufriedene Kunden hatte den Friseur auf der Bewertungsplattform für Städte und Dienstleistungen sehr gut beurteilt. Diese positive Mundpropaganda führte dem Friseur regelmäßig neue Kunden zu. Qype-Mitglieder können auf der Plattform lokale Tipps und Empfehlungen zu Geschäften, Dienstleistern, Gastronomie, Freizeitangeboten austauschen und mit persönlichen Bewertungen und Empfehlungen versehen. Das kann sich natürlich genausogut negativ auf Ihren Geschäftserfolg auswirken. Deshalb sollten jeder sich um ein gutes Monitoring bemühen. Am besten setzen Sie dazu im ersten Schritt einfach einen Google Alert.
Das Berufliche ist wichtig – gibt es auch private Einsatzmöglichkeiten?
MG: Wenn die Frage lautet, ob positives Eigenmarketing auch im privaten Umfeld wichtig ist, dann ist die Antwort natürlich: Ja! Stellen Sie sich vor, Sie haben auf einer Party oder sonstigen Veranstaltung eine Bekanntschaft gemacht, die sie gerne privat weiter vertiefen würden. Sollte es der anderen Person ebenso gehen - was macht diese natürlich? Sie holt Informationen über Sie ein, in der Regel über gemeinsame Freunde oder Bekannte und natürlich auch über das Internet. Was liegt näher, als mit myonid.de dafür zu sorgen, dass Ihre guten Seiten wirklich prominent ins Auge fallen. Sollte es Links geben, die Sie weniger gut aussehen lassen - dann ist es das Beste, von Anfang an in die Offensive zu gehen und die möglicherweise mehrere Jahre zurückliegenden Einträge humorvoll, aber mit der nötigen Distanz zu kommentieren. Denn gefunden werden diese Seiten sowieso ,-)
Steht über Sie etwas Kompromittierendes im Internet?
MG: Gottlob nicht. In meiner Jugend oder während des Studiums, als ich vielleicht noch jung und unbedarft genug gewesen wäre, um mich selbst durch Sprüche oder Fotos zu kompromittieren, gab es noch keine Blogs, kein Youtube, Studivz etc. Heute weiß ich aber natürlich, worauf ich achten muss und mit welchen Methoden ich mein digitales Image pflegen kann.
KE: Das kommt darauf an, wie Sie das Wort „Kompromittieren“ verstehen. Natürlich gibt es einige kränkende Dinge und Verleumdungen, die Dritte über mich in der Blogosphäre verbreiten. Das ist nicht weiter ungewöhnlich, wenn man in der Öffentlichkeit steht. Doch ich habe eine geeignete Maßnahme entdeckt, mit der ich meine digitale Vergangenheit auslöschen konnte. Ich bin seit rund 14 Jahren aktiv im Web unterwegs, habe zahlreiche Websites aufgebaut, in Foren kommentiert und auch beruflich Dinge online gestellt. Dennoch werden Sie nichts finden, was älter als etwa 9 Jahre ist, wenn Sie meinen Namen „Klaus Eck“ googeln. Dann erhalten Sie rund 42.000 Einträge. Mein Tipp für diejenigen, bei denen das digitale Kind in den Brunnen gefallen ist: Machen Sie es so wie ich: Heiraten Sie einfach und nehmen Sie den Namen Ihres Lebenspartners an. Dadurch lassen sich manchmal auch Jugendsünden unsichtbar machen. Unter meinem alten Namen finden sich übrigens gerade einmal 7 Einträge: „Klaus Knue“.
Was geben Sie uns als letzten Tipp mit auf den Weg?
KE: Verabschieden Sie sich von Ihrer Privatsphäre. Es gibt sie ohnehin nicht mehr wirklich. Wenn Sie davon ausgehen, können Sie in der digitalen Öffentlichkeit nicht mehr viel falsch machen. Es gibt nur die eine Gewissheit, dass all Ihre Freunde, Bekannten und Geschäftspartner jederzeit etwas über Sie ins Web stellen können, ohne dass sie diese daran hindern können. Wenn Sie selbst viele Informationen im Internet platzieren, haben Sie zumindest die Chance, aktiv Ihre Reputation zu bestimmen. Verzichten Sie hingegen darauf, finden Sie Ihr digitales Erscheinungsbild eines Tages vielleicht als Marionette im Netz anderer Spieler wieder. Lassen Sie deshalb lieber radikal auf die neue Öffentlichkeit ein und ziehen Sie selbst an den Fäden, die Ihr Online-Abbild bestimmen.
MG: Das Wichtigste ist: Bleiben Sie am Ball. Denn aus der Welt schaffen wird myON-ID Ihre “Jugendsünden” nicht. Vielmehr lenkt das Portal die Aufmerksamkeit auf ausgewählte Informationen. Hierbei dürfte es Ihnen schwer fallen, Ihre Reputation einfach nur wie einen Motor zu “frisieren”. Eine Online-Reputation entsteht nicht von heute auf morgen. Um das digitale Erscheinungsbild zu überprüfen, ist es sinnvoll, regelmäßig die eigene Wirkung per Ego-Surfing zu überprüfen und sich zu fragen, wie stehe ich zurzeit mit meiner Online-Identität da. Das geht mit Hilfe der myON-ID-Suche sehr bequem, zumal wir ab der nächsten Version von myON-ID die Suche automatisieren. Sammeln und kommentieren Sie regelmäßig Fundstücke und schaffen Sie sich ein Reputationsnetzwerk an – denn es gilt auch noch heute „zeige mir, wer deine Freunde sind und ich zeige Dir, wer Du bist.“
Mario
Gobholz (links) / Gründer von myON-ID und Klaus Eck (rechts) /
Berater für Online-Kommunikation und Betreiber des Online-Journals
PR-Blogger.de
Wie wichtig ist das Internet für den beruflichen Erfolg?
Mario Grobholz (MG): Um es auf den Punkt zu bringen: Wer heute gar nicht im Internet vertreten ist, ob mit einer eigenen Website, einem eigenen Blog, einem Profil bei Xing oder wenigstens ein paar Veröffentlichungen – der hat ein Problem. Denn für Personalberater ist es heute selbstverständlich, sich über potentielle Bewerber neben den klassischen Informationsquellen auch über das Internet, beispielsweise Google, zu informieren. Wer dagegen viel im Internet vertreten ist, aber eben auch mit Einträgen, die Zweifel an seinen menschlichen oder fachlichen Qualifikationen aufkommen lassen – der hat ebenfalls ein Problem! So oder so – wer seine berufliche Zukunft plant, der muss sich heute mit dem Internet und dem, was über ihn dort zu finden oder nicht zu finden ist, auseinandersetzen!
Klaus Eck (KE): Es kommt immer darauf an, in welchen Bereichen jemand beruflich aktiv ist. Aber ich würde niemanden mehr für PR- oder Marketing-Aufgaben einstellen, der nicht weiß, wofür die Begriffe Web 2.0, Blogs und Xing stehen. Es wird für die Karriereplanung immer wichtiger, online in positiven Zusammenhängen gefunden zu werden. Das Web bietet sehr viele Möglichkeiten, sich fachlich zu positionieren und das Selbstmarketing zu optimieren. Dazu sind Blogs sehr gut geeignet. Wer darauf lieber verzichtet und die Online-Öffentlichkeit scheut, muss sich nicht wundern, wenn andere schneller Karriere machen. Ganz ohne Risiken für die eigene Reputation sind die Online-Aktivitäten allerdings nicht.
Wie muss man sich einen solchen Imageschaden konkret vorstellen?
MG: In den jüngsten Presseberichten wird in der Regel auf die zweifelhaften Partyfotos, die politisch inkorrekten Äußerungen in Foren und Blogs oder die öffentlichen Anfeindungen beispielsweise durch den Ex-Freund, die Ex-Freundin abgehoben. Diese Fälle, meist mit Angabe des Namens, gibt es zuhauf – und das ist auch kein Wunder: Für die meisten Jugendlichen, die ja mit Computer und Internet aufgewachsen sind, spielt sich der Alltag viel selbstverständlicher und umfassender im Netz ab als bei Älteren. Nach monatlichen Erhebungen des Branchenverbands BITKOM und des forsa-Instituts veröffentlicht fast die Hälfte aller 14- bis 29-Jährigen regelmäßig private Inhalte im Netz. 45 Prozent verfügen über ein eigenes Profil in Online-Communitys.
KE: Mögen junge Nutzer besonders technikaffin sein, ihr Instinkt für die Folgen ihres Medienkonsums ist meist noch unterentwickelt. So wie im analogen Leben auf einem Partyabend oder beim Telefonieren mit Freunden wähnen sie sich auch bei ihren Onlineaktivitäten in einem zumindest halbprivaten Schutzraum spezieller Interessensgruppen, in den sich Lehrer, Eltern und Arbeitgeber normalerweise nicht verirren. Diesem Irrtum unterlag auch Stacy Snyder. Die US-Amerikanerin verlor 2005 ihren Studienplatz und damit jede Chance auf Anstellung als Lehrerin. Ein Partyfoto von ihr, das sie selbst auf ihr mySpace-Profil geladen hatte, war Auslöser dieser Affäre. Darauf war sie als Pirat verkleidet zu sehen, wie sie einen Becher mit nicht näher bezeichnetem Inhalt an den Mund setzte. Kompromittierend indes war die von ihr selbst verfasste Bildzeile: „betrunkener Pirat“. Für die Verwaltung der Millersville University im Bundesstaat Pennsylvania reichten diese zwei Worte, um die Studentin von der Uni zu werfen.
Heißt das: Am besten gar nicht ins Internet gehen?
MG: Das ist auch kein Schutz! Sie können ja nicht verhindern, dass Dritte sich negativ im Internet über Sie äußern. Als Lehrer zum Beispiel hat man gute Chancen, von Schülern im Internet verunglimpft zu werden – und kann kaum etwas dagegen tun. Auch gegen Pannen oder fahrlässigen Umgang mit Ihren Daten sind Sie machtlos, wie der Fall des Dahlenburger Verwaltungschefs Joachim Dassinger zeigt. Ein Gerücht und ein paar Klicks in Google reichten, schon wusste der gesamte Stadtrat, dass sich der Dahlenburger Samtgemeindebürgermeister auf eine Stelle in Mannheim beworben hatte. Dort hatte man ohne sein Wissen eine Sitzungsvorlage online gestellt, in der die Namen der Bewerber – auch sein eigener - für den Posten als Beigeordneter im Dezernat II aufgelistet sind. Das macht Herrn Dassinger bis heute zu schaffen.
Welche Wirkung haben Personensuchmaschinen auf dieses Phänomen?
MG: Schon lange bevor es Personensuchmaschinen gab, wurde das Internet insbesondere auch dazu genutzt, nach Personen zu suchen. Eine Zahl: Schon heute sind mehr als 30 Prozent aller Suchanfragen bei Google & Co. personenbezogen! Durch das Aufkommen von Personensuchmaschinen wie myonid.de wird diese Neugier weiter gefüttert, da nun wesentlich detailliertere und aussagekräftigere Ergebnisse zu Personen zusammengetragen werden können. So richten Personensuchmaschinen noch mehr Aufmerksamkeit auf die persönliche Identität im Netz – auf der anderen Seite sind sie natürlich ein wichtiges Hilfsmittel, um erst einmal einen Blick auf sein „digitales Spiegelbild“ zu werfen. Die Frage ist: Was jetzt? Gefällt mir das, was ich dort sehe, bzw. wie kann ich das korrigieren? Darauf haben reine Personensuchmaschinen keine Antwort! Dienste wie zum Beispiel spock.com sind quasi die Telefonbücher bzw. Gelben Seiten des Internet, sie geben lediglich Suchergebnisse aus – ein Arbeiten mit dem eigenen Profil ist hier nicht möglich.
Was kann der Einzelne tun?
KE: Viele Menschen sind sich nicht im Klaren darüber, dass sie die Suchmaschinen selbst für die Verbesserung ihres digitalen Rufs nutzen können. Obwohl wir im Zeitalter der Radikalen Transparenz leben und Google kaum noch etwas verborgen bleibt, heißt das nicht, dass wir uns unserem Schicksal ergeben müssen. Stattdessen können Sie selbst etwas für Ihre Online-Reputation tun, indem Sie Ihre Online-Präsenz bewusst steuern. Social Media basiert auf den Gedanken der Vernetzung. Sie können beispielsweise via Twitter, Blogs, Xing, Facebook und Social Bookmarking auf Ihre eigenen Artikel, Aktivitäten und Kompetenzfelder verweisen. Nebenbei generieren die meisten dieser Dienste exzellenten Google Juice. Anders formuliert: Je stärker Online-Inhalte miteinander verlinkt sind, desto eher tauchen sie auch in den Suchmaschinen auf.
MG: Wer sich im Dschungel der Social-Media-Dienste und -Angebote nicht zurechtfindet, für den bietet der Online-Reputationsdienst myON-ID (www.myonid.de) eine auf die Bedürfnisse von Privatnutzern zugeschnittene Suchmaschinenoptimierung an. Zunächst ermittelt der Nutzer mit der Personensuchmaschine von myON-ID alle wichtigen Fundstellen zu seinem Namen in Suchmaschinen, Social Networks, Blogs und Mulimediadatenbanken. Hieraus erstellt er dann eine Art kommentierter Linkliste aller Fundstellen. So kann er natürlich auch Stellung beziehen zu falschen oder längst veralteten Inhalten. Leser seines Onlineprofils erfahren so, welche wesentlichen Quellen es im Internet zu seiner Person gibt. Zugleich vernetzt die Liste die seiner Meinung nach relevanten Inhalte miteinander. So sorgt myON-ID dafür, dass dieses Nutzerprofil weit vorne bei Google auftaucht.
Kann man unliebsame Einträge im Internet löschen?
KE: Natürlich können Sie versuchen, Kontakt mit einem Plattformbetreiber aufzunehmen und den Urheber eines unangenehmen Artikels darum bitten, diesen wieder zu löschen. Doch das kann mit erheblichem Aufwand verbunden sein und ist nicht immer erfolgreich, zumal die Online-Inhalte vielerorts gespeichert werden und abrufbar sind. Falls Sie Pech haben, nimmt ein Blogger aufgrund einer solchen Anfrage Sie erst recht wieder in den Fokus und er verbreitet noch mehr negative Inhalte im Netz. Auf Abmahnung sollten Sie deshalb gänzlich verzichten. Stattdessen empfiehlt es sich, die Aufmerksamkeit auf andere positive Dinge im Web zu lenken, indem Sie selbst in Aktion treten, gute Blogeinträge verfassen, die verlinkt werden, sowie viele Social Media Profile anlegen. Ideal sind zudem generische Adressen unter dem eigenen Namen. Dadurch sichern Sie sich die Topplätze im Google Ranking.
MG: Wenn jemand wirklich Schabernack mit einem treiben will, dann nützt es gar nichts, eine einzelne Internet-Seite entfernen zu lassen. Zunächst ist das oftmals rein rechtlich nur schwer möglich - wenn man beispielsweise selbst den Eintrag verbrochen hat. Oder wenn die Äußerung noch in den Bereich der freien Meinungsäußerung fällt. Zum Beispiel hatte eine Lehrerin den Betreiber der Plattform “spickmich.de” verklagt und wollte die Löschung ihrer Bewertung durch Schüler sowie ihrer persönlichen Daten erzwingen. Das Landgericht Köln wies die Klage ab, mit Verweis auf das Recht der freien Meinungsäußerung. Aber auch wenn eine rechtliche Handhabe besteht, kommt man gegen die anarchische Struktur des Internets kaum an - kaum 24 Stunden, nachdem die Fotos, Videos etc. vom Schirm verschwunden sind, tauchen die Bilder in der Regel wieder an anderer Stelle auf. Deshalb war unser Ansatz immer: durch gezieltes Eigenmarketing im Netz dafür zu sorgen, dass interessante und positive Geschichten zur Person in den Vordergrund geschoben und die unliebsamen Einträge auf die nachfolgenden Google-Seiten verdrängt werden.
Trotzdem ist gut nachvollziehbar, dass das Opfer in einem besonders krassen Fall zumindest versuchen möchte, den Link zu löschen. Deshalb bietet myonid.de diesen Dienst – in Kooperation mit Reputation Defender – auch seit einem guten Monat mit an.
Für wen ist das überhaupt wichtig? Gehören auch Schreiner oder Bäckermeister zur Zielgruppe?
KE: Selbst wenn Sie sich als Bäcker, Maschinenbauer oder Handwerker nicht für das Internet interessieren, beeinflusst es Ihr Leben. Das musste vor einigen Monaten ein Frankfurter Friseur erleben, der selbst nicht im Netz aktiv ist. Eines Tages wunderte er sich, warum sein Friseurladen in Frankfurt-Bornheim so erfolgreich ist. Innerhalb von wenigen Wochen konnte er über 120 Neukunden gewinnen. Bis ihn schließlich ein Kunde darüber aufklärte, dass er von seinem Friseurladen aus dem Web erfahren habe. Auf dem Portal Qype ist sein Angebot auf Platz eins in der Rubrik Friseure gelandet. Zufriedene Kunden hatte den Friseur auf der Bewertungsplattform für Städte und Dienstleistungen sehr gut beurteilt. Diese positive Mundpropaganda führte dem Friseur regelmäßig neue Kunden zu. Qype-Mitglieder können auf der Plattform lokale Tipps und Empfehlungen zu Geschäften, Dienstleistern, Gastronomie, Freizeitangeboten austauschen und mit persönlichen Bewertungen und Empfehlungen versehen. Das kann sich natürlich genausogut negativ auf Ihren Geschäftserfolg auswirken. Deshalb sollten jeder sich um ein gutes Monitoring bemühen. Am besten setzen Sie dazu im ersten Schritt einfach einen Google Alert.
Das Berufliche ist wichtig – gibt es auch private Einsatzmöglichkeiten?
MG: Wenn die Frage lautet, ob positives Eigenmarketing auch im privaten Umfeld wichtig ist, dann ist die Antwort natürlich: Ja! Stellen Sie sich vor, Sie haben auf einer Party oder sonstigen Veranstaltung eine Bekanntschaft gemacht, die sie gerne privat weiter vertiefen würden. Sollte es der anderen Person ebenso gehen - was macht diese natürlich? Sie holt Informationen über Sie ein, in der Regel über gemeinsame Freunde oder Bekannte und natürlich auch über das Internet. Was liegt näher, als mit myonid.de dafür zu sorgen, dass Ihre guten Seiten wirklich prominent ins Auge fallen. Sollte es Links geben, die Sie weniger gut aussehen lassen - dann ist es das Beste, von Anfang an in die Offensive zu gehen und die möglicherweise mehrere Jahre zurückliegenden Einträge humorvoll, aber mit der nötigen Distanz zu kommentieren. Denn gefunden werden diese Seiten sowieso ,-)
Steht über Sie etwas Kompromittierendes im Internet?
MG: Gottlob nicht. In meiner Jugend oder während des Studiums, als ich vielleicht noch jung und unbedarft genug gewesen wäre, um mich selbst durch Sprüche oder Fotos zu kompromittieren, gab es noch keine Blogs, kein Youtube, Studivz etc. Heute weiß ich aber natürlich, worauf ich achten muss und mit welchen Methoden ich mein digitales Image pflegen kann.
KE: Das kommt darauf an, wie Sie das Wort „Kompromittieren“ verstehen. Natürlich gibt es einige kränkende Dinge und Verleumdungen, die Dritte über mich in der Blogosphäre verbreiten. Das ist nicht weiter ungewöhnlich, wenn man in der Öffentlichkeit steht. Doch ich habe eine geeignete Maßnahme entdeckt, mit der ich meine digitale Vergangenheit auslöschen konnte. Ich bin seit rund 14 Jahren aktiv im Web unterwegs, habe zahlreiche Websites aufgebaut, in Foren kommentiert und auch beruflich Dinge online gestellt. Dennoch werden Sie nichts finden, was älter als etwa 9 Jahre ist, wenn Sie meinen Namen „Klaus Eck“ googeln. Dann erhalten Sie rund 42.000 Einträge. Mein Tipp für diejenigen, bei denen das digitale Kind in den Brunnen gefallen ist: Machen Sie es so wie ich: Heiraten Sie einfach und nehmen Sie den Namen Ihres Lebenspartners an. Dadurch lassen sich manchmal auch Jugendsünden unsichtbar machen. Unter meinem alten Namen finden sich übrigens gerade einmal 7 Einträge: „Klaus Knue“.
Was geben Sie uns als letzten Tipp mit auf den Weg?
KE: Verabschieden Sie sich von Ihrer Privatsphäre. Es gibt sie ohnehin nicht mehr wirklich. Wenn Sie davon ausgehen, können Sie in der digitalen Öffentlichkeit nicht mehr viel falsch machen. Es gibt nur die eine Gewissheit, dass all Ihre Freunde, Bekannten und Geschäftspartner jederzeit etwas über Sie ins Web stellen können, ohne dass sie diese daran hindern können. Wenn Sie selbst viele Informationen im Internet platzieren, haben Sie zumindest die Chance, aktiv Ihre Reputation zu bestimmen. Verzichten Sie hingegen darauf, finden Sie Ihr digitales Erscheinungsbild eines Tages vielleicht als Marionette im Netz anderer Spieler wieder. Lassen Sie deshalb lieber radikal auf die neue Öffentlichkeit ein und ziehen Sie selbst an den Fäden, die Ihr Online-Abbild bestimmen.
MG: Das Wichtigste ist: Bleiben Sie am Ball. Denn aus der Welt schaffen wird myON-ID Ihre “Jugendsünden” nicht. Vielmehr lenkt das Portal die Aufmerksamkeit auf ausgewählte Informationen. Hierbei dürfte es Ihnen schwer fallen, Ihre Reputation einfach nur wie einen Motor zu “frisieren”. Eine Online-Reputation entsteht nicht von heute auf morgen. Um das digitale Erscheinungsbild zu überprüfen, ist es sinnvoll, regelmäßig die eigene Wirkung per Ego-Surfing zu überprüfen und sich zu fragen, wie stehe ich zurzeit mit meiner Online-Identität da. Das geht mit Hilfe der myON-ID-Suche sehr bequem, zumal wir ab der nächsten Version von myON-ID die Suche automatisieren. Sammeln und kommentieren Sie regelmäßig Fundstücke und schaffen Sie sich ein Reputationsnetzwerk an – denn es gilt auch noch heute „zeige mir, wer deine Freunde sind und ich zeige Dir, wer Du bist.“


